Wer die Rechnung für das Wasser für ein Rechenzentrum zahlt? Thailand!

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Wer die Rechnung für das Wasser für ein Rechenzentrum zahlt? Thailand!
Mongabay hat über 70 Rechenzentrums-Projekte in Thailand katalogisiert, davon rund 40 in Betrieb, etwa 20 im Bau und rund 10 in Planung. Bild mit KI erstellt von Roger Basler de Roca

Thailand hat in drei Jahren rund 40 Rechenzentrums-Projekte gefördert, etwa 70 Prozent davon konzentriert im Eastern Economic Corridor, einer Region, die bereits unter Wasserstress steht. Am 27. Juli 2026 hat die Regierung die Reissleine gezogen und schraubt die Bewilligungskriterien nachträglich hoch: Bankgarantien pro Megawatt, ein eigener Stromtarif, eine Wasserkarte. Das eigentliche Muster ist übertragbar, denn die Schweiz hat für Rechenzentren bis heute keine Auskunftspflicht zum Wasserverbrauch.

Was braucht es zuerst? Versorgung oder Bewilligung?

Infrastruktur wird normalerweise geplant, dann bewilligt, dann gebaut. In Thailand lief es umgekehrt. Zuerst kam das Kapital, dann die Anlagen, jetzt kommen die Regeln.

Das Board of Investment hat 2025 26 Rechenzentrums-Projekte im Wert von 498,716 Milliarden Baht bewilligt und 2026 weitere acht Projekte im Wert von 162,044 Milliarden Baht. Die Behörden haben die Prüfung neuer Projekte inzwischen verlangsamt, während sie zusätzliche Investitionskriterien nach Projektreife, Ressourcenverfügbarkeit und volkswirtschaftlichem Nutzen ausarbeiten. Insgesamt wurden in den vergangenen drei Jahren 40 Projekte gefördert, von denen erst 16 eine Bestätigung haben, dass der Strom überhaupt geliefert werden kann.

Diese letzte Zahl ist der eigentliche Befund. Bewilligt wurde deutlich mehr, als das Netz nachweislich tragen kann. Wer Infrastruktur bewilligt, bevor er ihre Versorgung geprüft hat, verschiebt das Problem nur in die Zukunft.

Ein Hinweis zur Datenlage, weil er methodisch relevant ist: Je nach Zählweise kursieren für 2025 zwischen 26 und 38 bewilligte Projekte und zwischen 458 und 728 Milliarden Baht. Die Differenz entsteht durch unterschiedliche Abgrenzungen, also eingereichte gegenüber bewilligten Vorhaben und Rechenzentren gegenüber Cloud-Projekten. Wasser ist der harte Engpass, nicht Strom

Strom lässt sich zubauen, Netze lassen sich ausbauen, wenn auch langsam. Wasser in einem konkreten Einzugsgebiet lässt sich nicht vermehren.

Mongabay hat über 70 Rechenzentrums-Projekte in Thailand katalogisiert, davon rund 40 in Betrieb, etwa 20 im Bau und rund 10 in Planung. Eines davon ist QHI01 im Subdistrikt Khlong Tamru in Chonburi, eine Hyperscale-Anlage mit 0,2 Gigawatt, entwickelt von Bridge Data Centres, einem Ableger von Bain Capital. Der Vertrag mit dem lokalen Wasserversorger sieht rund 3,3 Millionen Kubikmeter pro Jahr vor, was etwa dem Jahresbedarf von 36'900 Personen entspricht.

Interessanter als der Vertragswert ist die Abweichung davon. Subunternehmer, die vor Ort die Pumpstation bauen, nannten einen tatsächlichen Bedarf von rund 12'000 Kubikmetern pro Tag, also 4,38 Millionen Kubikmeter jährlich und damit ein Drittel mehr als vertraglich vorgesehen.

Ein Drittel Abweichung bei einer einzelnen Anlage ist kein Rundungsfehler, sondern ein Planungsrisiko. Multipliziert mit einer zweistelligen Zahl von Anlagen im selben Einzugsgebiet wird daraus ein Verteilungskonflikt. In Chonburi und Rayong sind mindestens 19 Rechenzentren geplant oder im Bau, in einer Region, in der Landwirte berichten, dass Wasser zunehmend für Industrie und Städte reserviert wird.

Die wichtigsten Punkte

  • Thailand hat in drei Jahren 40 Rechenzentrums-Projekte gefördert, aber nur 16 davon haben eine bestätigte Stromversorgung. Bewilligung und Versorgungsfähigkeit sind entkoppelt.
  • Rund 70 Prozent der Investitionen konzentrieren sich im Eastern Economic Corridor, einer bereits industriell und wasserwirtschaftlich belasteten Region.
  • Bei einer Hyperscale-Anlage in Chonburi liegt der tatsächlich erwartete Wasserbedarf laut Bauausführenden ein Drittel über der vertraglich vereinbarten Menge. Vertragswerte taugen nicht als Planungsgrundlage.
  • Die thailändische Kurskorrektur vom 27. Juli 2026 ist substanziell, kommt aber nach dem Kapital: Bankgarantie von 4,5 Millionen Baht pro Megawatt, separater Stromtarif, Wasserkarte, strengere Lizenzstufe.
  • Die Schweiz kennt für Rechenzentren keine Auskunftspflicht zum Wasserverbrauch, während die EU seit 2023 jährliche Meldungen ab 500 kW IT-Leistung verlangt.
  • Der Wasserbedarf von Rechenzentren kann an Hitzetagen drei- bis zehnmal über dem Jahresmittel liegen, also genau dann, wenn Landwirtschaft und Haushalte konkurrieren.
  • Die Beschäftigungswirkung ist frontlastig. Der ökonomische Nutzen entsteht im Bau, die Ressourcenlast im Betrieb.

Die Governance-Lücke schliesst sich, aber spät

Bis vor kurzem galt in Thailand die Einzelfallprüfung. Jedes Projekt wurde für sich bewertet, die kumulative Belastung eines ganzen Korridors nicht. Genau das ändert sich jetzt.

Ab sofort müssen Rechenzentren vier Kriterien erfüllen: gesicherte Stromversorgung inklusive Weg zu sauberer Energie, Wassermanagement ohne Konkurrenz zu umliegenden Gemeinden, Umwelt- und Lärmschutz sowie einen belegbaren Nutzen für Thailand. Grossinvestoren müssen eine Bankgarantie von 4,5 Millionen Baht je reserviertem Megawatt hinterlegen, was verhindern soll, dass Stromkontingente gehortet und weiterverkauft werden. Der Nationale Energiepolitische Rat hat diese Auflage am 15. Juli 2026 beschlossen. Gleiss LutzGleiss Lutz

Dazu kommt ein separater Stromtarif für Rechenzentren, im Gespräch sind fünf bis sechs Baht pro Kilowattstunde gegenüber 3,95 Baht im allgemeinen Tarif, damit die Netzkosten nicht auf normale Verbraucher:innen abgewälzt werden. Eine „Power and Water Map“ soll künftig Standorte ausserhalb des EEC ausweisen, wo heute rund 70 Prozent der Investitionen konzentriert sind. Und die Telekomregulierungsbehörde will Rechenzentren von einer Typ-1- auf eine Typ-3-Lizenz hochstufen, um Betreiber und deren Kundschaft strenger prüfen zu können, auch mit Blick auf Geldwäsche und Callcenter-Banden. Gleiss Lutz + 2

Das ist eine ernstzunehmende Kurskorrektur. Sie kommt nur nach dem Kapital, nicht davor. Für bereits bewilligte Anlagen im EEC ändert sie wenig.

Das Narrativ und die Bilanz

Rechenzentren werden politisch als Hochtechnologie verkauft. Ökonomisch verhalten sie sich anders. Die Beschäftigung ist frontlastig, also stark in der Bauphase und dünn im Betrieb. Die Wertschöpfung fliesst überwiegend an internationale Betreiber. Was lokal bleibt, sind Flächenverbrauch, Netzlast und Wasserentnahme.

Der thailändische Markt soll zwischen 2025 und 2031 um durchschnittlich 27,71 Prozent jährlich wachsen, von rund 470 Milliarden auf 2,02 Billionen Baht. Das ist eine beeindruckende Zahl für eine Volkswirtschaft. Sie sagt nur nichts darüber aus, wie viel davon im Land bleibt. Genau diese Frage stellt die neue BOI-Doktrin nun explizit, indem sie Technologietransfer, Ausbildung und geteilte Rechenkapazität einfordert. Gleiss Lutz

Das Muster erinnert an Rohstoffökonomien. Der Rohstoff heisst hier Wasser, Strom und Standort.

Warum das die Schweiz direkt betrifft

Wer jetzt denkt, das sei ein südostasiatisches Problem, sollte die eigene Datenlage prüfen.

Der Stromverbrauch der Schweizer Rechenzentren lag 2024 laut Bundesamt für Energie bei 3,6 Prozent des nationalen Gesamtverbrauchs und könnte bis 2030 auf bis zu sechs Prozent steigen. Beim Wasser wird es dünner. Die Branche untersteht in der Schweiz keinerlei Vorgaben zur Wassernutzung. Es besteht weder eine Auskunftspflicht noch gibt es gesetzlich geregelte Vorschriften. Betreiber müssen ihren Verbrauch weder erfassen noch effizient gestalten noch offenlegen.

Die Grössenordnung ist trotzdem bekannt. EPFL-Professor Atienza Alonso schätzt den heutigen Wasserverbrauch Schweizer Rechenzentren auf das Äquivalent von 400'000 bis 800'000 Personen. In Beringen im Kanton Schaffhausen wurde der ursprünglich angefragte Kühlwasserbedarf eines Rechenzentrums erst durch eine Interpellation öffentlich: über eine Million Liter Trinkwasser pro Tag, genug für bis zu 8'000 Menschen. Die Gemeinde liegt in einer Wasserknappheitszone, in der der Sommerkonsum die Vorräte bereits übersteigt.

Und der Spitzenlastfall ist der eigentliche Stresstest. Eine Studie der University of California, Riverside, kommt zum Schluss, dass der Wasserbedarf an heissen Tagen drei- bis zehnmal höher ausfallen kann als im Jahresmittel, also exakt dann, wenn Landwirtschaft und Haushalte ebenfalls mehr brauchen.

Die EU ist hier weiter. Betreiber von Anlagen ab 500 Kilowatt IT-Anschlussleistung müssen jährlich Energieverbrauch, Effizienzkennzahlen, erneuerbare Energien, Wasserverbrauch und Abwärmenutzung melden, mit Eingang in eine EU-Datenbank. Thailand hat gerade nachgezogen. Die Schweiz hat diese Datengrundlage nicht. Tagesspiegel

Was daraus für Entscheider:innen folgt

Drei Punkte sind sofort handlungsrelevant.

Erstens die Standortlogik. Wer Rechenkapazität einkauft oder baut, sollte Wasserverfügbarkeit und lokale Akzeptanz als harte Standortfaktoren behandeln, nicht als ESG-Kapitel. Ein Standort in einer Knappheitszone ist ein Betriebsrisiko, kein Reputationsrisiko.

Zweitens die Vertragsebene. Die thailändische Abweichung von einem Drittel zwischen vertraglichem und tatsächlichem Bedarf zeigt, wo man hinschauen muss. Wer Colocation oder Cloud beschafft, kann Kennzahlen zu Wasserverbrauch, Kühltechnologie und Spitzenlast vertraglich einfordern. Freiwillig kommen sie nicht.

Drittens die Regulierungsvorschau. Thailands neue Auflagen, das kommende EU Data Centre Energy Efficiency Package und die schweizerische Debatte laufen in dieselbe Richtung: weg von Offsets, hin zu realem Ressourcenverbrauch am konkreten Standort. Wer heute Verträge über zehn Jahre schliesst, sollte diese Verschiebung einpreisen.

Die Rechenleistung ist global. Das Wasser ist es nicht. Diese Asymmetrie ist kein Nebeneffekt der KI-Infrastruktur, sie ist ihr Geschäftsmodell. Und sie wird dort verhandelt, wo Gemeinden mit internationalen Betreibern über Anschlussverträge sprechen, für die es weder Offenlegungspflicht noch Vergleichsdaten gibt.

Frag dich also nicht nur, wo deine Daten liegen. Frag, wessen Wasser sie kühlt.

Disclaimer: dieser Artikel wurde nach meinem eigenen Wissen und dann mit Recherchen mit KI (Perplexity.Ai und Gemini.Google.com) manuell zusammengestellt und mit Deepl.com/write vereinfacht. Der Text wird dann nochmals von zwei Personen meiner Wahl gelesen und kritisch hinterfragt. Das Bild stammt aus KI-generierter Bildgebung (Ideogram/Adobe Firefly). Dieser Artikel ist rein edukativ und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die Investitionszahlen zum thailändischen Rechenzentrums-Ausbau variieren je nach Quelle und Abgrenzung erheblich, die verwendeten Werte stammen aus der jeweils genannten Primärberichterstattung. Bitte melde dich, wenn Du Ungenauigkeiten feststellst, danke.

Quellen und weitere Informationen

AlgorithmWatch CH. (2026, 25. Juni). Ein Fluss durchströmt die Cloud: Der versteckte Wasserverbrauch von Schweizer Rechenzentren [Recherche von C. Miller, Universität St. Gallen]. https://algorithmwatch.ch/de/versteckter-wasserverbrauch-rechenzentren/

Aquatech. (2026, 17. April). Thailand's data centre boom offers opportunities for water companies addressing scarcity issues. https://www.aquatechtrade.com/water-stories/water-security/thailand-data-centre-boom-offers-opportunities-for-water-companies-addressing-scarcity-issues

Eco-Business. (2026, 17. März). Data centre surge in Thailand sparks water and air pollution concerns. https://www.eco-business.com/news/data-centre-surge-in-thailand-sparks-water-and-air-pollution-concerns/

Fangda Partners. (2026, März). Thailand data center entry kit: What multibillion dollars in approvals actually mean for investors and operators. https://www.fangdalaw.com/en/content/print32_17733.html

Flynn, G. (2026, 16. März). Thai data center boom sparks fears of water shortage, air pollution. Mongabay. https://news.mongabay.com/2026/03/thai-data-center-boom-sparks-fears-of-water-shortage-air-pollution/

Mongabay. (2026, April). AI infrastructure growth threatens water-stressed Thai regions. https://news.mongabay.com/short-article/2026/04/ai-infrastructure-growth-threatens-water-stressed-thai-regions/

Taylor Wessing. (2026, 30. März). Nachhaltige und energieeffiziente Rechenzentren: Ein Blick auf das geplante Data Center Energy Efficiency Package der Europäischen Kommission. https://www.taylorwessing.com/de/insights-and-events/insights/2026/03/nachhaltige-und-energieeffiziente-rechenzentren

The Nation Thailand. (2026, 13. April). Thailand's 2.87GW data centre ambition hinges on power grid overhaul, expert warns. https://www.nationthailand.com/business/tech/40064983

The Nation Thailand. (2026, 27. Juli). Thailand tightens data centre rules as AI demand grows. https://www.nationthailand.com/business/investment/40069085

TNGlobal. (2026, 16. Januar). BOI approves seven data center projects with total investment of $3.1B in Thailand. https://technode.global/2026/01/16/boi-approves-seven-data-center-projects-with-total-investment-of-3-1b-in-thailand/

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