KI und Jobverluste 2025: 55.000 Entlassungen – Fakten, Ängste und AI-Washing

**Wirkungsbereich:** Menschen & Gesellschaft --- **TLDR:** Im Jahr 2025 wurden laut der Outplacement-Firma Challenger, Gray & Christmas rund 55.000 Entlassungen in den USA direkt auf KI zurückgeführt – ein zwölffacher Anstieg seit 2023. Amazon, Salesforce, Pinterest und Dow Chemical nannten KI explizit als Grund. Doch Ökonom:Innen zeichnen ein differenzierteres Bild: Oxford Economics spricht von möglichem „AI-Washing", Yale's Budget Lab findet kaum strukturelle Veränderungen im Arbeitsmarkt, und laut Harvard Business Review entlassen 60 % der Unternehmen vorsorglich – nicht weil KI ihre Jobs bereits erledigt, sondern weil sie es eines Tages könnte. Die Wahrheit liegt, wie so oft, zwischen der Panik und der Entwarnung. --- ## Die Zahlen, die Angst machen 55.000 Entlassungen in einem Jahr, direkt KI zugeschrieben. Die Daten stammen von Challenger, Gray & Christmas, einer der führenden Outplacement-Firmen in den USA, die seit 2023 KI als eigene Kategorie in ihren Entlassungsstatistiken führt. Der Anstieg ist markant: ein Faktor zwölf innerhalb von zwei Jahren. Die Liste der betroffenen Unternehmen liest sich wie ein Branchenverzeichnis der globalen Wirtschaft. Amazon strich 2025 rund 15.000 Stellen und setzte die Welle Anfang 2026 mit weiteren 16.000 fort. Salesforce-CEO Marc Benioff erklärte, 4.000 Mitarbeiter:Innen im Kundensupport seien entlassen worden, weil KI bereits die Hälfte der Arbeit übernehme. Pinterest kürzte 15 % der Belegschaft unter Verweis auf einen „AI-forward approach". Dow Chemical streicht rund 4.500 Stellen wegen „AI and automation". Und Lufthansa plant, bis 2030 rund 4.000 Arbeitsplätze durch KI-gestützte Effizienz einzusparen. Die Angst der Arbeitnehmer:Innen wächst entsprechend. Laut dem Global Talent Trends Report 2026 von Mercer – basierend auf einer Befragung von 12.000 Personen weltweit – ist der Anteil der Beschäftigten, die ihren Job durch KI bedroht sehen, von 28 % im Jahr 2024 auf 40 % im Jahr 2026 gestiegen. ## Was die Ökonom:Innen sagen: Ein differenzierteres Bild Inmitten der Alarmmeldungen formiert sich allerdings eine Gegenperspektive, die Aufmerksamkeit verdient. **Oxford Economics** hat in einem Bericht vom Januar 2026 argumentiert, die Rolle von KI bei den Entlassungen sei wahrscheinlich „übertrieben". Das zentrale Argument: Wenn KI tatsächlich in grossem Umfang menschliche Arbeit ersetzen würde, müsste die Produktivität pro verbleibendem Arbeitnehmer:In spürbar steigen. Genau das beobachten die Ökonom:Innen aber nicht. Stattdessen, so Oxford Economics, vermittle die Zuschreibung von Entlassungen an KI „eine positivere Botschaft an Investor:Innen" als der Verweis auf schwache Nachfrage oder frühere Übereinstellungen. Das Stichwort: AI-Washing. **Yale's Budget Lab**, ein überparteiliches Forschungszentrum, analysierte US-Arbeitsmarktdaten von November 2022 bis Mitte 2025 und fand kaum Veränderungen in der Beschäftigungsstruktur seit der Einführung von ChatGPT. Die Verteilung der Arbeitnehmer:Innen auf verschiedene Berufsgruppen hat sich statistisch nur minimal verschoben. Und eine aufschlussreiche Einordnung von Sherwood News: Die 55.000 KI-zugeschriebenen Entlassungen machen lediglich 4,5 % aller gemeldeten Stellenstreichungen in 2025 aus. Entlassungen aufgrund von „Markt- und Wirtschaftsbedingungen" lagen dagegen bei 245.000 – also beim Vierfachen. Im Kontext: In den USA verlieren in jedem beliebigen Monat 1,5 bis 1,8 Millionen Menschen ihren Job – aus den unterschiedlichsten Gründen. ## Das eigentliche Problem: Entlassungen auf Vorrat Die vielleicht aufschlussreichste Erkenntnis liefert eine im Harvard Business Review publizierte Studie des Return on AI Institute. Die Befragung von über 1.000 Führungskräften weltweit zeigt ein bemerkenswertes Muster. 60 % der befragten Unternehmen haben bereits Stellen abgebaut – nicht wegen der aktuellen Leistungsfähigkeit von KI, sondern in Erwartung dessen, was die Technologie in Zukunft leisten **könnte**. Weitere 29 % haben die Einstellung neuer Mitarbeiter:Innen verlangsamt, aus demselben Grund. Und nur 2 % gaben an, dass tatsächlich implementierte KI-Lösungen zu grösseren Entlassungen geführt haben. Das ist eine fundamentale Unterscheidung. Unternehmen entlassen Menschen nicht, weil KI ihren Job bereits erledigen kann. Sie entlassen, weil sie darauf wetten, dass es eines Tages so sein wird. Die Arbeitnehmer:Innen bezahlen heute den Preis für eine Zukunft, die noch nicht eingetreten ist. Das ist keine klassische technologische Disruption – es ist antizipierte Disruption. ## Die andere Seite: KI schafft auch Arbeitsplätze Es wäre unvollständig, nur die Verluste zu betrachten. Laut einer Erhebung des Oxford Internet Institute haben 35 % der Dienstleistungsunternehmen KI genutzt, um Mitarbeiter:Innen **umzuschulen**. 11 % haben aufgrund von KI sogar **mehr** eingestellt, nicht weniger. Nur 1 % der befragten Dienstleistungsunternehmen gaben an, in den letzten sechs Monaten wegen KI Personal abgebaut zu haben – ein Rückgang gegenüber 10 % im Vorjahr. Der World Economic Forum prognostiziert bis 2030 eine gemischte Bilanz: Rund 92 Millionen Arbeitsplätze könnten durch KI verdrängt werden, aber gleichzeitig etwa 170 Millionen neue Positionen entstehen – in Bereichen wie KI-Tool-Management, Datenanalyse und Mensch-KI-Zusammenarbeit. Das Netto wäre positiv, aber der Übergang wird für viele Betroffene schmerzhaft sein. ## Was das für dich bedeutet Unabhängig davon, ob die 55.000 Entlassungen „echte" KI-Disruption oder teilweise AI-Washing sind: Die Entwicklung zeigt eine klare Richtung. Unternehmen positionieren sich für eine Zukunft, in der KI-Kompetenz nicht optional ist. Für Arbeitnehmer:Innen heisst das: Weiterbildung in KI-relevanten Fähigkeiten – von der Nutzung von KI-Tools im eigenen Arbeitsbereich bis zum kritischen Umgang mit KI-generierten Ergebnissen – ist keine Kür mehr, sondern Pflicht. Für Unternehmen bedeutet es: Ehrlichkeit über die tatsächlichen Gründe von Restrukturierungen wäre nicht nur ethisch geboten, sondern auch strategisch klug. Wenn Mitarbeiter:Innen das Gefühl haben, dass „KI" als bequeme Ausrede für Entlassungen dient, die eigentlich andere Ursachen haben, untergräbt das das Vertrauen in die gesamte Digitalisierungsstrategie. ## Zusammenfassung der wichtigsten Punkte - 55.000 Entlassungen in den USA wurden 2025 direkt KI zugeschrieben – ein zwölffacher Anstieg seit 2023 (Quelle: Challenger, Gray & Christmas). - Grosse Unternehmen wie Amazon, Salesforce, Pinterest und Dow nannten KI explizit als Entlassungsgrund. - Ökonom:Innen von Oxford Economics und Yale Budget Lab bezweifeln, dass KI tatsächlich im grossen Stil Arbeitsplätze ersetzt – die Produktivitätsdaten stützen diese These nicht. - Die 55.000 machen nur 4,5 % aller Entlassungen in 2025 aus; „Markt- und Wirtschaftsbedingungen" waren viermal häufiger der Grund. - Laut Harvard Business Review entlassen 60 % der Unternehmen vorsorglich für KI-Szenarien, die noch nicht eingetreten sind. Nur 2 % nennen tatsächliche KI-Implementierung als Ursache. - KI schafft auch Arbeitsplätze: 35 % der Unternehmen nutzen KI zur Umschulung, der WEF prognostiziert netto 78 Millionen neue Jobs bis 2030. - Weiterbildung in KI-Kompetenz ist für Arbeitnehmer:Innen keine Option mehr, sondern eine Notwendigkeit. --- **Quellen (APA):** Challenger, Gray & Christmas. (2025, Dezember). 2025 Year-End Challenger Report: Highest Q4 Layoffs Since 2008. https://www.challengergray.com/blog/2025-year-end-challenger-report-highest-q4-layoffs-since-2008-lowest-ytd-hiring-since-2010/ Rim, H. (2026, 6. Februar). AI is becoming a go-to reason for layoffs – but is it actually replacing workers? *Sherwood News*. https://sherwood.news/markets/ai-is-becoming-a-go-to-reason-for-layoffs-but-is-it-actually-replacing/ Davenport, T. H. & Srinivasan, L. (2026, 29. Januar). Companies Are Laying Off Workers Because of AI's Potential—Not Its Performance. *Harvard Business Review*. https://hbr.org/2026/01/companies-are-laying-off-workers-because-of-ais-potential-not-its-performance Oxford Economics. (2026, Januar). Evidence of an AI-driven shakeup of job markets is patchy. https://www.oxfordeconomics.com/resource/evidence-of-an-ai-driven-shakeup-of-job-markets-is-patchy/ Yale Budget Lab. (2025). Evaluating the Impact of AI on the Labor Market. https://budgetlab.yale.edu/research/evaluating-impact-ai-labor-market-novemberdecember-cps-update Kiderlin, S. (2026, 20. Januar). AI impacting labor market 'like a tsunami' as layoff fears mount. *CNBC*. https://www.cnbc.com/2026/01/20/ai-impacting-labor-market-like-a-tsunami-as-layoff-fears-mount.html Loh, T. (2026, 7. Januar). AI layoffs are looking more and more like corporate fiction. *Fortune*. https://fortune.com/2026/01/07/ai-layoffs-convenient-corporate-fiction-true-false-oxford-economics-productivity/ --- *Disclaimer: Dieser Artikel wurde nach meinem eigenen Wissen und dann mit Recherchen mit KI (Perplexity.Ai und Gemini.Google.com) manuell zusammen gestellt und mit Deepl.com/write vereinfacht. Der Text wird dann nochmals von zwei Personen meiner Wahl gelesen und kritisch hinterfragt. Das Bild stammt von einem KI Programm (Ideogram oder Adobe Firefly) und ist selbst erstellt. Dieser Artikel ist rein edukativ und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Bitte melde dich, wenn Du Ungenauigkeiten feststellst, danke.* *Willst du mehr wissen? Sehr gerne komme ich auch bei Dir, bei deiner Firma, deiner ERFA Gruppe oder deinem Verband vorbei und helfe mit einem Workshop oder Input Referat.* *Lass uns gerne mal unverbindlich sprechen. Also wenn ich helfen kann, wende dich gerne an mich #fragRoger und abonnier meinen offiziellen Newsletter: www.FragRoger.social*

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